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Von: Marcus Krämer
Datum: 23. Mai 2013, 09:06 Uhr
Format: Artikel
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Champions League Finale: Fünf Gründe für einen Sieg von Borussia Dortmund

bvb
Jubeln die BVB-Spieler auch in Wembley?

Nach der Rekordsaison des FC Bayern könnte die Favoritenrolle im Wembleystadion kaum klarer verteilt sein. Und doch ist der BVB, anders als es Uli Hoeneß noch im April verbreitete, der unangenehmste Finalgegner. sportal.de weiß, wo die Chancen der Dortmunder liegen.

Die Bewertung der dominanten Bayern-Saison ist ein einziger Superlativ, der mit einer Niederlage im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund wohl nur noch zum Komparativ taugt. Denn wer in der Bundesliga 91 Punkte holt, in der gesamten Saison nur drei Spiele verliert, eine unvergleichliche Tiefe und Qualität im Kader hat und im Halbfinale der Königsklasse den FC Barcelona mit 7:0-Toren demütigt - der kann nur als haushoher Favorit in so ein Finale gehen.

Trotzdem sind die Dortmunder nicht chancenlos, immerhin haben sie in den letzten drei Jahren von acht Spielen in Bundesliga und DFB-Pokal nur eines gegen die Münchner verloren. Da der Trend mit zwei Remis und der einen Pleite in dieser Saison aber eher für die Bayern spricht, haben wir uns auf die Suche nach weiteren Gründen gemacht und sind fündig geworden: 

1. Die Qualität von Robert Lewandowski

Der polnische Stürmer des BVB ist ein Dauergast in der Gerüchteküche des europäischen Fußballs, neuesten Berichten zufolge soll er in Dortmund den Wunsch geäußert haben, wie Mario Götze zum FC Bayern wechseln zu wollen. Entscheiden wird sich seine Zukunft erst in den kommenden Wochen, eine weitere Empfehlung braucht Lewandowski nicht. Trotzdem könnte er der entscheidende Mann im Finale (Samstag, 20:45 Uhr im Live-Ticker) sein.

Lewandowskis Saison ist herausragend und ohne die ebenfalls starke Leistung von Mario Mandzukic schmälern zu wollen: Im Sturm hat der BVB durch Lewandowski Vorteile. Mit seiner Kopfballstärke, seiner Beidfüßigkeit, der Zweikampfstärke, den spielerischen Möglichkeiten, den Qualitäten im Abschluss und der unvergleichlichen Gabe, die Bälle mit dem Rücken zum Tor halten zu können, ist Lewandowski zu einem der stärksten Stürmer der Welt aufgestiegen.

Da sich die Teams so gut kennen und wir ein enges Match erwarten, werden Kleinigkeiten entscheiden. Eine Dortmunder Abschlussschwäche zieht sich zwar ebenfalls durch diese Saison, Lewandowski muss aber ausgeklammert werden - immerhin hat er bereits zehn Tore in der Champions League erzielt. Im Hinspiel gegen Real Madrid waren es vier, gerade diese Partie hat gezeigt, wie Lewandowski auch auf engstem Raum stets nach Lösungen sucht und sie mittlerweile auch häufig findet.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem, wie wichtig für die siegreichen Final-Mannschaften in den vergangenen Jahren die Stürmer waren. Chelsea siegte 2012 dank Didier Drogba, für Barcelona traf 2009 und 2011 jeweils Lionel Messi, 2010 hieß der Doppeltorschütze für Inter Mailand Diego Milito und 2007 war Milans Matchwinner ein Stürmer namens Filippo Inzaghi, dem auch das Schlusswort gehört: "Zum Helden wirst du als Stürmer erst, wenn du international die wichtigen Tore machst." Mandzukic hat erst zwei Champions League-Tore erzielt. 

2. Klopp zieht die richtigen Lehren

Das Ligaspiel am 32. Spieltag brachte wegen der bereits entschiedenen Meisterschaft kaum Erkenntnisse, deshalb haben wir uns nochmal das Pokalspiel im Februar angeschaut. Dort siegten die Bayern durch ein Tor von Arjen Robben mit 1:0, waren dabei im ersten Durchgang die dominierende Mannschaft und hätten höher führen können.

Trainer Jürgen Klopp sah damals aber ein "sehr schlechtes Spiel" seiner Mannschaft. Klopp hatte seinem Team als Ausrichtung ein 4-5-1 mit auf den Weg gegeben, im Mittelfeld sollte Kevin Großkreutz für mehr Stabilität sorgen. Die Rechnung ging nicht auf, weil in der Innenverteidigung Mats Hummels fehlte und damit mit Ilkay Gündogan nur ein Spieler auf dem Platz stand, der sich dem Gegenpressing der Bayern entziehen konnte. Hummels-Vertreter Felipe Santana, Neven Subotic und auch Keeper Roman Weidenfeller, dessen weite Abschläge zu schnell zurückkamen, machten im Aufbau zu viele Fehler - die Bayern hatten leichtes Spiel.

Als Klopp in der Halbzeit die Mannschaft umstellte, waren die Dortmunder spielerisch gleichwertig, auch wenn es nur wenige Torchancen zum Ausgleich gab. Der BVB spielte fortan im 4-3-3, dem in der Champions League mehrmals erprobten System, Gündogan ließ sich häufiger zwischen die Innenverteidiger abkippen und als Kuba Blaszczykowski für Großkreutz kam, bekam die Borussia auch in der gegnerischen Hälfte mehr Zugriff.

Im Finale wird Hummels wieder spielen können, die Bayern werden es deshalb nicht wieder so leicht haben, das Dortmunder Aufbauspiel zu stören. Dafür wird Mario Götze ausfallen, was die Möglichkeiten in der Offensive erheblich mindert.

Wir rechnen daher mit dem 4-3-3, damit Marco Reus und Blaszczykowski weiter nach vorne rücken können und der Verlust von Götze nicht so ins Gewicht fällt. Bleibt noch die Frage, wer neben Gündogan und Sven Bender im defensiven Mittelfeld auflaufen wird. In Dortmund wird Großkreutz gehandelt, aber es spricht auch vieles für Nuri Sahin. Der Neuzugang in der Winterpause hat spielerische Vorteile, zuletzt aber auch vermehrt seine Robustheit in den Zweikämpfen bewiesen. Klopp wird erneut zeigen, welch großer Taktiker er in den vergangenen Jahren geworden ist

3. Die CL-Form von Roman Weidenfeller

Ob Roman Weidenfeller nun tatsächlich der beste Torhüter ist, der noch nie für eine Nationalmannschaft spielen durfte, werden wir hier nicht klären können. Fest steht sicherlich nur, dass Bayern-Keeper Manuel Neuer das größere Talent hat und der modernere Torhüter ist. Und trotzdem kann Weidenfeller seinen Gegenüber ausstechen.

Denn Weidenfeller wird wesentlich mehr zu tun bekommen als Neuer, was ihn in der Champions League zu absoluten Höchstleistungen anspornte. In den zwölf Partien kassierte Weidenfeller zwar 13 Gegentore, aber in den engen Partien war er stets der wichtige Rückhalt seiner Mannschaft, seine sportal.de-Durchschnittsnote von 2,5 beweist seine herausragende Saison. Gegen die Bayern wird er womöglich wieder unter Beschuss stehen, selbst bei ihren drei Saisonniederlagen (Leverkusen, Borysov, Arsenal) gaben die Bayern über 20 Torschüsse ab.

Und dann könnte es ja auch noch zum Elfmeterschießen kommen. Auch hier gilt Weidenfeller nicht unbedingt als Spezialist, aber gegen verunsicherte Bayerns, die schon Tage vor dem Finale erstaunlich deutlich betont hatten, die Pleite gegen den FC Chelsea verarbeitet zu haben, könnte Weidenfellers Erfahrung der entscheidende Faktor sein. 

4. Als Außenseiter fühlt sich der BVB wohl

Die junge Dortmunder Truppe hat in den vergangenen Jahren viele Entwicklungsstufen genommen. Besonders wichtig waren die Lehren aus den international ernüchternden Ergebnissen der letzten beiden Jahre, als Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis standen. Mit der Favoritenrolle kommt der BVB in der Champions League aber immer noch nicht klar, das Beinahe-Aus gegen Malaga war die Folge.

Doch gegen die Bayern sind die Rollen wieder anders verteilt. Die Borussia muss nicht dominieren, kann stattdessen reagieren und dabei die eigene taktische Linie durchziehen, die schon gegen Manchester City und zweimal gegen Real Madrid funktioniert hat. Abwarten, reagieren, das Gegenpressing eine Spur später starten - all das hat besonders gut geklappt, wenn der BVB als Außenseiter ins Spiel ging.

Auf den Schultern der Bayern wiederum lastet der gesamte Druck. Im dritten Finale der letzten vier Jahre zählt nur ein Sieg, dieses Gefühl wird durch die Dominanz der letzten Wochen und Monate nur verstärkt. Je länger das Ergebnis offen ist, desto größer werden die Chancen der Dortmunder. Die schwarz-gelbe Lust zu gewinnen könnte größer sein als die rote Angst zu verlieren. 

5. Die Omen liegen auf der Straße

Wer zum Abschluss an statistische Parallelen oder Wiederholungen glaubt, der sollte nun endgültig ein paar Euro auf den Champions League-Sieg von Borussia Dortmund setzen, zumal die in dieser Saison vor heimischer Kulisse noch ungeschlagene Borussia auch im Wembleystadion formal ein Heimspiel hat:

Vor 15 Jahren triumphierte die Borussia in der Königsklasse nach zwei Deutschen Meisterschaften in Serie.Gegen Juventus galt der BVB ebenfalls als klarer Außenseiter. National wurde Schwarz-Gelb zuvor vom FC Bayern abgelöst. Den Pokalsieg holte in jenem Jahr der VfB Stuttgart. Zwei Aufsteiger aus der 2. Liga hießen Hertha BSC und 1. FC Kaiserslautern, selbst beim dritten Aufsteiger VfL Wolfsburg drücken Dortmunder Omen-Sucher bei nur 40 Kilometern Entfernung zum aktuellen Aufsteiger Eintracht Braunschweig geflissentlich beide Augen zu.