Ilkay Gündogan wurde vor mehreren Wochen schon als Nachfolger von Bastian Schweinsteiger im DFB-Dress gehandelt. Nun treffen beide Spieler im Finale der Champions League als Herz ihres Teams aufeinander. sportal.de hat beide Spieler unter die Lupe genommen.
Der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben den Einzug ins Finale der Champions League geschafft (Samstag, 20:45 Uhr im Live-Ticker), die versammelte europäische Konkurrenz ausgeschaltet und es vermieden, sich bereits im Viertel- oder Halbfinale zum direkten Duell zu treffen. Somit kommt es zum ersten rein deutschen Final-Duell in der Geschichte dieses Wettbewerbs.
Die Teilnahme der Bayern am Endspiel ist keine große Überraschung, wenn man sich die Bilanz der letzten Jahre ansieht - zwei Finaleinzüge in den letzten drei Jahren sprechen Bände. Anders der BVB, der in den letzten beiden Jahren jeweils in der Gruppenphase ausschied - einmal in der Europa League, einmal in der Champions League -, daraus jedoch seine Lehren gezogen hat und die Dominanz aus der Bundesliga in die Königsklasse übertragen konnte.
Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan treffen aufeinander
Mit Spannung erwartet Fußball-Deutschland jenes Finale am 25. Mai, bei dem zwei Spieler im Fokus stehen dürften. Beide Mannschaften sind zwar mit Stars gespickt, die Leitwölfe heißen allerdings Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan. Sie geben als offensiverer Part der Doppel-Sechs das Tempo sowie den Rhythmus vor, und sportal.de hat sich beide Spieler angeschaut.
Ausgangspunkt ist die Diskussion, die nach dem Länderspiel gegen Frankreich aufkam, als diskutiert wurde, ob Gündogan der bessere Schweinsteiger sei. Dort lieferte der BVB-Profi sein bestes Länderspiel ab, emanzipierte sich und drückte der DFB-Elf die Dortmunder Schule auf. Aber auch wenn beide Profis nahezu dieselbe Position spielen, sind sie unterschiedliche Spielertypen.
Schweinsteiger und Gündogan sind als Chefstrategen ihrer Teams anzusehen und schwer zu ersetzen. Gerade bei Gündogan ist es deutlich: Sollte Mario Götze ausfallen, müsste er auf die Zehn wechseln. Aber wenn auch Mats Hummels ob seiner Verletzung nicht spielen kann, wird Gündogan auf der Sechs gebraucht, ansonsten gäbe es keinen Verantwortlichen für die Spieleröffnung.
Schweinsteiger und Gündogan: Zwei unterschiedliche Spielertypen
Beide Spieler sind Teil der Doppelsechs. Schweinsteiger spielt dabei an der Seite von Javi Martinez, Gündogan agiert mit Sven Bender oder alternativ Sebastian Kehl an seiner Seite. Dabei ist auffällig, dass sie in ihren Teams oft bis immer die meisten Ballkontakte haben. Bei Ballbesitz agieren sie durchaus ähnlich, spielen viele vertikale Pässe und schalten sich in die Offensive ein.
Wobei Schweinsteiger gerne den wichtigen diagonalen Pass zur Verlagerung spielt, wenn die Bayern gegen tief stehende Gegner das Spiel auf eine Seite gebracht haben. Auch Gündogan ist kein Spieler, der viele Querpässe spielt. Seine Steilpässe sind enorm wichtig für das Spiel des BVB, zudem ist er gerade im Gegenpressing offensiver aufgestellt und geht so auch in mehr Dribblings.
Hier musste sich Schweinsteiger viel Kritik von Günter Netzer und Olaf Thon gefallen lassen, die erklärten, er könne keinen Gegner mehr überspielen. Wirf man einen Blick auf die Statistiken, so kam Schweinsteiger im Vergleich mit Gündogan - in den ersten 20 Ligaspielen - auf mehr Sprints pro Spiel, erreichte zudem die höhere Endgeschwindigkeit und straft so die Kritiker Lügen.
FC Bayern München und der BVB: Zwei unterschiedliche Spielsysteme
Schweinsteiger muss bei den Bayern aber nicht oft ins Dribbling gehen, dafür verfügt der Club über zu viele Spieler in der Offensive, die diesen Job übernehmen. Ohnehin könnten beide Spieler in der Nationalmannschaft auch gut Seite an Seite agieren. Denn während Gündogan wesentlich stärker im Spiel gegen den Ball ist, mehr presst und mehr Wege zustellt, sichert Schweinsteiger ab.
Gegen den Ball ist Javi Martinez der wichtigere Spieler beim FC Bayern München. Er antizipiert ähnlich wie Gündogan, gewinnt Bälle und stellt die Wege zu. Hier ist Schweinsteiger der Organisator, der nicht unbedingt in Zweikämpfe geht, sondern seine Mitspieler absichert. Dabei hat er viel von Mark van Bommel gelernt. "Nicht nur das Fußballerische. Auch die Arbeit, die dazugehört: das Reden, das Dirigieren, das Zumachen der Löcher", so Schweinsteiger auf welt.de.
So ist es schwierig, letztendlich eine Aussage darüber zu treffen, ob nun Bastian Schweinsteiger oder Ilkay Gündogan der wichtigere oder gar entscheidende Mann auf dem Platz sein wird bzw. ist. Gerade im Bereich Passspiel und Passsicherheit liegen beide Spieler auf einem Level. Vielleicht ist es die Erfahrung, die Schweinsteiger letztlich die Nase um eine Länge vorne haben lässt.
Bastian Schweinsteiger: Dirigent, Vorlagengeben und Torschütze
Denn während Gündogan in der Bundesliga auf überragende Werte kommt, hat er in der Champions League Luft nach oben. Laut bundesliga.de gewinnt er nur 43 Prozent seiner Zweikämpfe und hat gerade im Defensivkopfball Schwächen. Laut whoscored.com lässt sich Gündogan im Schnitt pro Spiel 2,1 Mal in der Defensive überlaufen - Schweinsteiger liegt bei einem Wert von 1,4.
Bei den Ballkontakten muss Gündogan in der Champions League mehr Verantwortung übernehmen. Hat er in der Liga etwa 83 Anspiele, kommt er international nur auf 65. Dazu spielt Schweinsteiger mehr Pässe, hat auch im Bereich Genauigkeit knapp bessere Werte. Zudem erzielte er zwei Tore, bereitete vier Treffer seiner Mitspieler vor und leistet sich weniger Ballverluste in der Offensive.
Die Vorteile bei Gündogan liegen wie schon angesprochen darin, dass er besser antizipiert, so mehr Bälle abfängt und Gegenstöße einleitet. Auch kommt Gündogan auf weniger Fehlpässe pro Partie. Wie seine Rolle im Finale nun allerdings ausfällt, wird kurzfristig entschieden. Sie wird zumindest ähnlich derer sein, die Schweinsteiger bei den Bayern einnimmt: enorm wichtig für die Mannschaft.

