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1. Champions League: Analyse des Spiels zwischen Man City und dem BVB
Von: Daniel Raecke
Datum: 04. Oktober 2012, 10:12 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Champions League: Analyse des Spiels zwischen Man City und dem BVB

Jack Rodwell, Manchester City, Borussia Dortmund, Robert Lewandowski
Robert Lewandowski (l.) im Zweikampf mit Jack Rodwell

Ist Dortmund in Europa angekommen, weil der Deutsche Meister den Englischen in dessen Stadion dominierte? Oder ist der BVB immer noch grün hinter den schwarzgelben Ohren, weil die Überlegenheit nicht zum Sieg reichte? Das und mehr in der sportal.de-Analyse.

1) Was Dortmund richtig machte - und warum das nicht einfach "offensiv" war

Auf den ersten Blick könnte man das Spiel so lesen, wie es Jürgen Klopp selbst schon vor dem Anpfiff angeboten hatte, nach der Devise: "Dortmund hat sich nicht versteckt und sein eigenes Spiel gemacht. Anstatt sich nach einem vermeintlich übermächtigen Gegner zu richten." Das würde aber den taktischen Schachzügen des Dortmunder Meistertrainers nicht gerecht. Denn der BVB passte sich sehr wohl dem Gegner an - und war genau deshalb so stark.

Um das besser zu illustrieren, muss man sich den Spielansatz von City ansehen. Quell der Überlegenheit des Englischen Meisters ist oft die Dominanz im zentralen Mittelfeld, wo Yaya Touré sein Regiment führt, wo aber auch gerne Überzahl erreicht wird, indem die Spieler von den Außenbahnen wie David Silva und Samir Nasri nach innen ziehen.

Es ist schwer, dem im Zentrum des Spielfeldes stand zu halten. Eine Folge dieser Tendenz ist es aber auch, dass die Außenbahnen im offensiven Bereich etwas verwaisen, Citys Angriffsspiel kann so recht eng werden. So schieben die Außenverteidiger weit nach vorne, um die entstehenden Lücken auszufüllen, und das wiederum eröffnet Konterräume im Rücken von Gael Clichy und Pablo Zabaleta.

Genau darauf war der BVB optimal eingestellt, mit einer Mischung aus 4-1-4-1 und 4-5-1-Formation, in der beide Reihen kompakt beieinander blieben. So war die Zone, in der Citys Angreifer und Mittelfeldspieler Bälle annehmen und weiterverteilen konnten, sehr klein.

Die Engländer genossen wesentlich mehr Ballbesitz (fast zwei Drittel der Netto-Spielzeit verbrachte das Leder in ihren Reihen), aber dieser äußerte sich oft zwangsläufig darin, dass die Viererkette den Ball durch die Reihen laufen ließ, ohne den Passweg nach vorne zu finden. Zwar hatte City doppelt so viel Ballbesitz wie der BVB, zählt man aber nur die Ballkontakte in der jeweils gegnerischen Hälfte, so hatte Dortmund sogar mehr davon als die Gastgeber.

Das "Mutige" an Dortmunds Taktik bestand also vor allem darin, die eigene Viererkette hoch Richtung Mittellinie zu verschieben, um die Kompaktheit zu jeder Zeit zu gewährleisten und gleichzeitig ein konsequentes Pressing zu ermöglichen. Dieses Pressing vollführte Dortmund so gut, dass man es in der Champions League in dieser Form in den letzten Jahren eigentlich nur von Barcelona besser gesehen hat, wie sportal.de-Liveredakteur Danial Montazeri treffend bemerkte.

Entscheidend war auch, dass sowohl Marco Reus als auch Mario Götze sehr diszipliniert nach hinten arbeiteten. Dass die beiden Stars, die beide, wie auch Ilkay Gündogan und Sven Bender im zentralen Mittelfeld, hervorragend spielten, das tun konnten und dennoch so gut Gegenpressing spielen konnten und selbst zu Chancen und schnellen Angriffszügen kamen, lag wiederum natürlich an der hohen Viererkette des BVB und der extremen Kompaktheit.

Die fast unheimliche Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen und die perfekt aufeinander einstudierten Laufwege sind das Kennzeichen einer wirklich gut trainierten Mannschaft, und so muss man Jürgen Klopp attestieren, dass er den Sprung nach Europa nun auch taktisch geschafft zu haben scheint. Warum aber hat seine Mannschaft dann nicht gewonnen?

2) Der Punktverlust lag an Joe Hart, nicht an Pavel Kralovec

Auch wenn ZDF-Kommentator Oliver Schmidt es schaffte, in seinem Fazit nach dem Spiel innerhalb von 30 Sekunden dreimal das Wort "Schiedsrichterentscheidung" zu verwenden, um das Unentschieden zu erklären, hatte dieses hochkarätige Champions League-Spiel es nicht verdient, auf einen umstrittenen, aber nicht klar falschen Pfiff des Unparteiischen reduziert zu werden. Die deutsche Unsitte, vermeintliche Fehlentscheidungen zum Hauptgrund für Niederlagen oder Unentschieden zu verklären, ist leider hartnäckiger als der deutsche Fußball selbst, der sich in den letzten zehn Jahren wesentlich schneller und besser entwickelt hat als der Journalismus, der über ihn berichtet.

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