Will Tiger Woods bei der British Open 2012 seinen 15. Major-Sieg feiern und wieder die Nummer eins der Welt werden, muss er nicht nur gegen das Schmuddelwetter und den schwierigen Platz kämpfen. Er braucht auch einen Wunderschlag und muss das Unerwartete erwarten.
"Expect the Unexpected", warnen diejenigen, die sich in der Historie der British Open und speziell bei den zehn bisher bereits im Royal Lytham and St. Annes ausgetragenen Auflagen des Traditionsturniers auskennen.Von den negativen Folgen dieser unvorhersehbaren Ereignisse weiß vor allem Ian Woosnam ein Liedchen zu singen.
Der lag vor elf Jahren bei der letzten Austragung der British Open im Royal Lytham and St. Annes auf Siegkurs, bis ihm am zweiten Loch der Schlussrunde plötzlich sein Caddie Miles Byrne auf die Schulter klopfte. "Du rastest sicher gleich aus, aber...", setzte er laut telegraph.co.uk kleinlaut an und beichtete dem entsetzten Woosnam die Ursünde aller Caddies.
Byrne hatte nämlich vergessen einen neuen Driver, den sein Chef kurz vor dem ersten Abschlag noch auf der Range getestet hatte, vor Rundenstart auch wieder aus dem Bag zu nehmen, das daher 15 statt der erlaubten 14 Schläger enthielt. Woosnam war außer sich. "Du hast nur diese einzige verdammte Aufgabe und das kommt dabei raus", schimpfte der Waliser, den die zwei Strafschläge für den Regelverstoß letztlich aller Siegchancen beraubten, ihn auch die Ryder Cup-Qualifikation 2001 kosteten und einen regelrechten Karriereknick verursachten.
Turniersiege konnte Woosnam danach keine mehr feiern. Das Turnier 2001 gewann am Ende David Duval auch dank eines Super-Schlags mit dem Eisen 6 aus dem tiefen Rough der 15. Bahn, der ihm ein wichtiges Par rettete.
Ballesteros traf alles, nur nicht die Fairways
"Schlag den Ball an die richtige Stelle und der Weg zum Loch ist frei, aber schlägst du an die falsche Stelle, wirst du bestraft", hatte einst der Golf-Publizist und Enkel von Charles Darwin, Bernard Darwin, die Gewinn-Formel für den Platz im Royal Lytham and St. Annes auf den Punkt gebracht. Doch wie das Beispiel Woosnams beweist, reicht das eben nicht immer aus.
Und man muss auch nicht immer unbedingt die schmalen Fairways treffen, um die tückischen Roughs, die Tiger Woods in diesem Jahr nach ersten Trainingseindrücken als "beinahe unspielbar" bezeichnet hatte, und insgesamt 206 tiefen Bunker des Kurses zu umgehen. Das bewies Severiano Ballesteros 1979 an gleicher Stelle auf dem seitdem kaum veränderten Platz bei seinem ersten The Open-Triumph. Der Spanier war buchstäblich dahin gegangen, wo noch nie ein Golfer vor ihm war. Seve traf alles, nur nicht die Fairways, rettete sich aber so stark aus fast aussichtslosen Lagen, dass er am Ende trotzdem den Sieg einfuhr.





