Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Bradley Wiggins den Sieg bei der Tour de France noch verspielen würde. Denn der Brite setzte sich beim abschließenden Zeitfahren von Bonneval nach Chartres durch, darf auf der letzten Etappe nun genüsslich ausrollen.
Bradley Wiggins hat den Gesamtsieg bei der Tour de France praktisch in der Tasche. Er könnte zudem der erste Brite seit 109 Jahren werden, der die Frankreich-Rundfahrt für sich entscheidet. Der Träger des Gelben Trikots feierte beim Zeitfahren in Chartres seinen zweiten Etappenerfolg mit 1:16 Minuten Vorsprung vor seinem Teamkollegen Christopher Froome.
"Auf den letzten Kilometern ging mir so viel durch den Kopf: Die Arbeit der vergangenen Jahre, die Entbehrungen, meine Familie, mein Tour-Ausstieg 2011 nach dem Schlüsselbeinbruch und meine bisherigen Erfolge in diesem Jahr", meinte Wiggins. Von Polizisten abgeschirmt kämpfte sich der 32-Jährige anschließend den Weg zum Teambus frei, wo sich Trainer und Betreuer schon in den Armen lagen. "Der Lärm im Ziel war einfach unbeschreiblich", sagte er.
Zum Abschluss der 99. Tour kann Wiggins es nun ruhig angehen lassen und seinen Sieg in vollen Zügen genießen. Denn auf der letzten Etappe, die auch Tour d' Honneur genannt wird, gilt unter den Fahrern traditionell ein Nichtangriffspakt. Einzig ein Sturz könnte den Triumph des Briten noch verhindern.
Nur noch die Sprinter greifen ein
Einzig für die Sprinter kommt es auf den Champs Elysées endende letzte Etappe noch zu einem Showdown. Zuletzt wurde das Gesamtklassement an der Spitze im finalen Abschnitt vor 23 Jahren noch gedreht, als Greg LeMond Laurent Fignon in einem Zeitfahren noch um lumpige acht Sekunden verdrängte.
Wiggins, der die 53,5 Kilometer der 19. und vorletzten Etappe in 1:04:13 Stunden als Schnellster vor seinem Landsmann Froome und Luis Leon Sanchez aus Spanien (+1:50 Minuten) absolvierte, hat vor dem Tour-Finale 3:21 Minuten Vorsprung auf seinen Teamkollegen und den Italiener Vincenzo Nibali (+6:19 Minuten).
Wiggins' Tagessieg in Chartres war auch eine kleine Genugtuung für die in den Pyrenäen eingesteckte Häme. Froome hatte dort zum zweiten Mal nach seinem Etappenen-Sieg in den Alpen für alle sichtbar deutlich gemacht, dass er seinem Kapitän im Hochgebirge überlegen ist und war scheinbar nur durch eine Stallorder bei einem Angriff gestoppt worden.
Patrick Gretsch fährt auf Rang sechs
Bester Deutscher wurde der Erfurter Tour-Debütant Patrick Gretsch (+2:28 Minuten) auf Rang sechs. Altmeister Andreas Klöden enttäuschte mit 1:08:02 Stunden. Trotzdem liegt er mit seinem RadioShack-Team an der Spitze der Mannschaftswertung und hofft auch am Sonntag auf den Champs Élysées vorn zu bleiben.
Teamkollege Jens Voigt würde das als große Genugtuung nach den Schock durch den dopingverdächtigen Fränk Schleck empfinden. "Mit allen verbliebenen sechs Fahrern auf dem obersten Treppchen zu stehen, mit dem Arc de Triumphe im Hintergrund - das wäre ein schönes Bild", sagte der 40-Jährige am Samstag.
