Markus Babbel blieb nach der Pokalpleite Hoffenheims beim Berliner AK fastg nichts erspart. Erst gab es sportlich auf den Deckel, dann hätte ihn beim Interview fast ein Mikrofon am Kopf erwischt. Wenigstens brauchte er keinen Kopfverband wie Matchwinner Metin Cakmak.
"Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen", flüchtete sich der stocksaure Babbel in Galgenhumor, dessen Mannschaft nach dem 0:4 bei dem Berliner-Viertligisten wegen "kollektiven Versagens", so der Trainer, von den eigenen Fans verhöhnt worden war.
"Das Bittere ist, du kannst es nicht mehr wiedergutmachen", schimpfte er und antwortete auf sein persönliches Verhältnis zu Berlin, wo er vor gut neun Monaten einen schmachvollen Abgang bei Hertha BSC erlebt hatte, angesprochen: "Langsam wird mir Berlin unsympathisch."
Sympathisch waren dagegen die überglücklichen Spieler des Berliner AK, die zumindest für kurze Zeit aus dem Schatten der beiden höherklassigen Hauptstadt-Clubs Hertha und Union getreten waren. Vor allem Cakmak, im Hauptberuf Medieninformatik-Student, freute sich und wurde für seinen Doppelpack, der den Torreigen des Berliner AK einleitete und beendete, mit einem Besuch im Aktuellen Sportstudio belohnt.
Da war dann auch die blutende Augenbrauenverletzung, die er sich kurz nach seinem Führungstreffer zugezogen hatte und die mit einem riesigen Kopfverband verarztet worden war, vergessen. Vergessen bzw. ob der geringen finanziellen Mittel des Clubs nicht vorgesehen war zu diesem Zeitpunkt ein zweites Trikot mit der Nummer 18.
Weil nämlich Blut aus Cakmaks Augenbraue auch auf die Spielkleidung getropft war, hatte er auch das Shirt wechseln müssen. Da der Zeugwart des Berliner AK aber nur noch eins mit der Rückennummer 16 hatte, wurde kurzerhand mit ein paar Klebestreifen aus der 16 eine 18 gemacht.
Wiese schämte sich
Während die Berliner jubelten, wollte Hoffenheims Torhüter Tim Wiese am liebsten im Erdboden versinken. "Es war desolat, wir müssen uns dafür schämen", gestand 1899-Neuzugang und Kapitän, der in seinem Pflichtspieldebüt für Hoffenheim gleich viermal hatte hinter sich greifen müssen.
Das erste Mal nach knapp drei Minuten, als Cakmak von der Strafraumgrenze Maß nahm und den Ball über den ein paar Schritte vor seinem Tor stehenden Wiese hob. Fünf Minuten nach der Pause bekam der BAK-Angreifer den Ball vom Hoffenheimer Keeper unfreiwillig bei einem verunglückten Abstoß vor die Füße und machte den Endstand perfekt.
Fans erschüttert über desolate Hoffenheim-Leistung
"Das kann ich auch nicht auf mir sitzen lassen. Das war blutleer. So habe ich die Mannschaft nicht kennengelernt", schimpfte Babbel. Vor dem Bundesliga-Auftakt am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach wird der Trainer noch einiges zu tun bekommen. Vor allem wird man Wiedergutmachung bei den wenigen mitgereister Hoffenheimer Fans leisten müssen.
Die hatten schon vor der Pause lautstark "wir wollen Euch kämpfen sehen" skandiert, kurz nach dem Wiederanpfiff aus Protest gegen die lustlose Leistung der hochbezahlten Kicker gegen die Berliner No-Name-Truppe dann ihre Banderolen eingerollt. Der Spaß an der Pflichtspielpremiere war ihnen gehörig vergangen, denn sie werden auch erschrocken festgestellt haben, was der Pokalheld des Berliner AK Cakmak im Sportstudio artikulierte: "Wir haben schon gedacht, dass wir auf Augenhöhe sind." In diesem Spiel war Berlin sogar deutlich drüber.
