Während Jürgen Klopp sich über zuviel Applaus und Hype echauffiert, drückt dem FC Bayern München der Schuh richtig: Mario Gomez verlängert die bereits beachtliche Verletztenliste, der Trainer kritisiert Uli Hoeneß und den Terminplan. Ruhige Vorbereitung geht anders.
Angesichts der beachtlichen Frühform seines BVB hätte Jürgen Klopp derzeit eigentlich allen Grund zu strahlen. Stattdessen findet er aber ein Haar in der Suppe. Der "in vielen Punkten grenzwertige" Hype um seine Person, den die beiden Meistertitel in den letzten Jahren ausgelöst hatten, gehe Klopp gehörig auf die Nerven.
Selbst wenn er im Training von Borussia Dortmund bloß Hütchen aufstellt, werde er von seinen begeisterten Anhängern schon mit Szenenapplaus bedacht. "Ich habe den Leuten gesagt: Könnt ihr mal aufhören zu klatschen? Das ist total nett gemeint. Aber, ohne Witz, ich muss doch auch irgendwo hingehen können, wo ich keinen Applaus kriege", beschwerte sich Klopp im kicker.
Klagen auf hohem Niveau. Die Sorgen von Jürgen Klopp würden die Verantwortlichen des FC Bayern München sicherlich mit Kusshand übernehmen. Denn den Rekordmeister drückt der Schuh erheblich schwerer. Auch wenn Neuzugang Dante laut welt.de kürzlich noch erklärte, "in München scheint offenbar viel öfter und länger die Sonne als in Mönchengladbach", eitel Sonnenschein herrscht bei den Bayern derzeit nicht.
Die Vorbereitung verläuft noch nicht nach Wunsch. Das Spiel mit und gegen den Ball ist noch stark verbesserungswürdig, jedenfalls wenn man von Borussia Dortmund als idealtypischem Vorbild ausgeht, und gipfelte in einem enttäuschenden Liga Total Cup, bei dem man bereits im Halbfinale nach Elfmeterschießen an Werder Bremen scheiterte.
Verletztenliste wird immer länger: Nun auch Gomez und Schweinsteiger
Natürlich ist das ein völlig unbedeutender Pokal, aber schließlich hatte Jupp Heynckes laut t-online.de zuvor noch erklärt: "Zu einer optimalen Vorbereitung gehören auch Erfolge dazu." Der Coach hatte den Wettbewerb nutzen wollen, um unter Wettkampfbedingungen wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Doch am Ende blieben das frühe Aus, mit Mario Gomez ein weiterer schwerer verletzter und mit Bastian Schweinsteiger ein zumindest angeschlagener Spieler.
Bei Gomez wurden freie Gelenkkörper im rechten Sprunggelenk entdeckt, die in der kommenden Woche operativ entfernt werden müssen. Dem Stürmer droht damit eine längere Zwangspause. Ob er rechtzeitig zum Saisonauftakt wieder fit wird, ist mehr als fraglich. Die Verletztenliste der Bayern wird damit immer länger.
Mit Rafinha (Bänderriss im Sprunggelenk), David Alaba (Ermüdungsbruch im Fuß) und Diego Contento (Haarriss im Fuß) liegen mittlerweile gleich drei Außenverteidiger auf Eis. Auch Franck Ribéry (Schleimbeutelentzündung an der Ferse), Claudio Pizarro (Hüftprobleme) Schweinsteiger (Verdacht auf Bänderdehnung) sind zum Zuschauen verdammt.
Die Personalnot beim FC Bayern ist derzeit so groß, dass sogar ein Testspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach wegen "unvorhergesehener Verletzungsprobleme" abgesagt werden musste, wie auf der Homepage der Münchner geschrieben wird. "Wenn die Bundesligamannschaft des FC Bayern zu einem Freundschaftsspiel angekündigt ist, dann sollen dort auch die bekannten Spieler antreten", begründete Matthias Sammer.
Luiz Gustavo als Linksverteidiger-Alternative
Trainer Heynckes wird in den nächsten Tagen und Wochen noch viel experimentieren müssen. Vor allem der Ausfall von gleich zwei Linksverteidigern will kompensiert werden. Neuzugänge lehnte der Coach bereits ab, das temporäre Loch solle mit Bordmitteln gestopft werden. Im Notfall müsste Philipp Lahm zurück auf links wechseln. Doch das wäre wohl der äußerste Notfall.
Denn da Lahm und Robben auf der rechten Seite ein meist gut harmonierendes Duo bilden, wird wohl wie in den letzten drei Testspielen Luiz Gustavo diese Rolle anzuvertraut. Heynckes lobte via Club-Homepage vor allem Gustavos Offensivdrang. "Das kann funktionieren. Für mich ist das eine Sache des Einspielens, der Identifikation mit der Position", ist sich Heynckes sicher. "Das hat er gar nicht schlecht gemacht, ganz im Gegenteil."
Heynckes kritisiert vollen Terminplan der Bayern
Weniger zufrieden waren Heynckes und auch Sammer dagegen mit den neuerlichen Störfeuern von Uli Hoeneß, der Mario Gomez vor dessen verletzungsbedingtem Ausfall öffentlich hart kritisiert hatte und damit zusätzlich Unruhe bei den Bayern entfacht hatte. "Dass Mario öffentlich kritisiert wird, lassen wir nicht zu", ging Sammer bei Sat.1 auf Konfrontationskurs zum Präsidenten. Hoeneß habe zwar "alle Rechte", aber "so richtig hat uns das nicht gefallen".
Auch Heynckes kritisierte seinen alten Kumpel Uli. Hoeneß hatte zuvor nachgeschoben, Gomez lediglich anstacheln zu wollen. Heynckes meinte aber dazu nur: "Früher konnte man einen Spieler mit so etwas noch einmal motivieren, das ist heute vorbei."
Es war aber nicht die einzige Kritik, zu der sich der Trainer hatte hinreißen lassen. Auch gegen den engen Terminplan wetterte er. "Die Spieler müssen zu Kräften kommen, etwas, was beim FC Bayern mit den vielen Terminen und der China-Reise sehr schwierig ist", schimpfte der Trainer und wird derzeit sicherlich etwas neidisch in Richtung Klopp nach Dortmund schauen.
