Bayern München gegen Borussia Dortmund - weder ein "Clásico" noch ein entscheidendes Spiel um den Meistertitel. Aber trotzdem war das Spitzenspiel für uns so interessant, dass wir unsere Notenanalyse diesmal ausschließlich aus München bestreiten.
Um es vorweg zu nehmen: Bayern gegen Dortmund ist nicht "der deutsche Clásico". Eine dämlichere und unpassendere Bezeichnung ist kaum denkbar, außer vielleicht "das deutsche Old Firm". Der Clásico zwischen Real Madrid und Barcelona ist seit vielen Jahrzehnten das Spiel des Jahres in jeder spanischen Saison, nebenbei die vielleicht wichtigste Rivalität im Weltfußball. Es ist nicht so, dass Real gegen Barca der spanische Clásico, Ajax gegen Feyenoord der niederländische Clásico und Panathinaikos gegen Olympiakos der griechische Clásico wäre.
Die genannten Begegnungen haben aber immerhin den Vorzug, wenigstens die wichtigsten Spiele in ihren Ländern zu sein. Bayern gegen Dortmund ist das Topspiel der letzten drei Jahre in der Bundesliga. Drei Jahre. Von der fußballerischen Klasse ist das Spiel im Moment vielleicht ebenso gut wie Real Madrid gegen Barcelona. Aber nicht von der Tradition her, auf die der unselige Marketingbegriff verweist.
Das ausgeräumt, widmen wir uns den fünf Spielern, deren Benotung wir diesmal näher unter die Lupe nehmen wollen.
Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund): 1,5
Eine recht einfache Note, offen war lediglich, ob hinter der Eins noch eine Kommastelle angefügt wird oder nicht. Wir haben uns für die 1,5 entschieden, weil Weidenfellers Paraden zwar herausragend waren und ihn zweifellos zum besten Keeper des Spieltags machten, aber weder musste er zehn schwere Bälle halten (sondern drei), noch war er der alleine alles überstrahlende Mann auf dem Platz. Der Punktgewinn des BVB war ihm zu verdanken, aber keineswegs ihm allein.
Javi Martínez (Bayern München): 2,5
Dass Javi Martínez für den FC Bayern immer wichtiger wird, demonstrierte er auch im Topspiel gegen den BVB. Seine Interpretation der Sechserrolle passt so gut zum neuen, auf Gegenpressing orientierten Bayern-Spiel. Tatsächlich eine Note, die zwischen 2 und 2,5 schwankte, zumal er auch noch mit einem Kopfball Torgefahr entwickelte.
Aber schon jetzt hat Bayern die zweitbesten, Dortmund die drittbesten Noten aller 18 Bundesligisten an diesem Spieltag. Das ist der hohen Qualität des Spiels geschuldet gewesen, das zwar nicht unbedingt überreich an Höhepunkten und Strafraumszenen war (vor allem vor der Pause), aber nicht wegen schwacher Offensivreihen, sondern wegen funktionierender Defensiven. Angesichts des Unentschiedens und der mangelnden Schlüsselszenen fiel die Entscheidung im Falle Javis aber zugunsten der schwächeren Halbnote (die ihn aber als einen der besten Mittelfeldspieler des Wochenendes in die Elf der Woche von sportal.de bringt).





