Entkräftet und mit den Tränen kämpfend verließ Stanislas Wawrinka die Rod Laver-Arena. Fünf Stunden hatte er Novak Djokovic im Achtelfinale der Australian Open die Stirn geboten, herausragendes Tennis gezeigt. Am Ende reichte es für den Schweizer nicht ganz.
Die Zeiger der Uhr auf dem Centre Court zeigten 1:42 Uhr Ortszeit, als Novak Djokovic mit einem Vorhandpassierschlag dem Match nach 5:02 Stunden ein Ende setzte und dem phasenweise wie entfesselt aufspielenden Wawrinka in seine Schranken gewiesen hatte. Abgekämpft fielen sich die beiden Kontrahenten am Netz in die Arme, bevor Djokovic jubelnd sein völlig durchgeschwitzes T-Shirt zerriss und seine Erleichterung über den hartumkämpften 1:6, 7:5, 6:4, 6:7 (5:7), 12:10-Sieg in den Nachthimmel von Melbourne schrie - allein der fünfte Satz hatte 1:44 Stunden gedauert.
"Er hätte den Erfolg genauso verdient gehabt", fand Djokovic im Siegerinterview lobende Worte für seinen Gegner, der ihm mit einer ausgezeichneten Leistung und phasenweise perfektem Tennis "eines der aufregendsten Spiele meiner Karriere" beschert und den Zuschauern auf den Rängen und an den TV-Geräten beste Unterhaltung und ein Match mit Höhen und Tiefen auf beiden Seiten beschert hatte.
Wawrinka spielt Djokovic eineinhalb Sätze lang an die Wand
"Man sollte die Rod Laver-Arena fluten, um zu gucken, ob Stan Wawrinka vielleicht sogar auf Wasser laufen kann", twitterte der US-Tennisjournalist Rob Koenig Mitte des zweiten Satzes vor lauter Begeisterung über den Schweizer. Dieser hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Partie mit traumwandlerischer Sicherheit dominiert, mit druckvollen Grund- und bombensicherem ersten Aufschlägen Titelverteidiger Djokovic konsequent hinter der Grundlinie gehalten, selbst Tempo und Rhythmus bestimmt und im gesamten ersten Durchgang gerade einmal drei Unforced Errors produziert, während Djokovic elf unterliefen.
Der Lauf des Schweizers hielt an, doch nach 5:2 mit der 2:0-Satzführung vor Augen wurde er auf einmal passiver. Auf einmal kam der Aufschlag nicht mehr mit der vorher gezeigten Präzision, die Unforced Errors häuften sich. Dadurch gab er Djokovic die Möglichkeit, zurück in die Partie zu finden und die ließ sich die Nummer eins der Tennis-Welt natürlich nicht entgehen.





