Die Überraschung lag in der Luft. Zwei Matchbälle hatte die kämpferisch starke, aber in den entscheidenden Situationen etwas zu passive Angelique Kerber gegen Victoria Azarenka schon gehabt. Am Ende verlor sie aber doch knapp mit 7:6, 6:7, 5:6
Von der noch gestern im Spiel gegen Serena Williams gezeigten Nervosität war bei Angelique Kerber in ihrem zweiten Gruppenspiel bei den WTA-Championships in Istanbul gegen Victoria Azarenka wenig zu sehen. Gut, die Deutsche hatte schnell mit 3:1 geführt, diesen Vorsprung schnell wieder eingebüßt, aber dann ihre favorisierte Gegnerin mit einer insgesamt sehr konzentrierten Leistung in den Tiebreak zwingen können und sogar dort einen 2:6-Rückstand egalisieren können.
Zunächst schien es dann aber so, als würde ihr immer in der entscheidenden Phase das Pech am Schläger kleben, vier Satzbälle hatte sie mitunter mit vermeidbaren Fehlern vergeben, ehe sie sich bei 12:11 aus ihrer Sicht mit dem Punkt zum Gewinn des ersten Satzes für ihre kämpferisch vortreffliche Leistung belohnen konnte. Umkämpft war auch der zweite Durchgang. Azarenka schaffte das frühe Break, erhöhte mit eigenem Service auf 2:0, ehe Kerber nach 0:30 zurück kam, den Anschluss schaffte und ihren eigenen Aufschlag in der Folge souverän hielt.
Angelique Kerber kann zwei Matchbälle nicht nutzen
Zum erhofften und ersehnten Rebreak kam sie dann im achten Spiel, das sie Azarenka sogar zu Null abnehmen konnte und zum 4:4 ausglich. Das Spiel wogte hin und her. Kerber agierte vor allem in den langen Ballwechseln zu passiv, ließ sich dort immer wieder von der deutlich aggressiveren Azarenka die Butter vom Brot nehmen. Doch auch hier kämpfte sie, ballte immer wieder die Faust, rief "Come On" und brachte nach Abwehr mehrerer Breakbälle und neunmal Einstand das Spiel zum 5:4 nach Hause.
Doch da sie zwei Matchbälle nicht nutzen und den Tiebreak des zweiten Satzes deutlich abgab, musste der dritte Durchgang die Entscheidung bringen. Dort egalisierte sie einen 0:2-Rückstand, kämpfte aufopferungsvoll und hielt die Partie bis zum 3:5 offen. Mit etwas mehr Präzision wäre sicher mehr drin gewesen für die Kielerin. Immerhin schaffte sie noch das Rebreak zum 4:5, schlug ein Ass zur Eröffnung ihres Service-Games, ehe Azarenka sie dann aber überflügelte und nach über drei Stunden zum Matchgewinn vollstreckte.
Aus eigenen Kraft kann sie nach der zweiten Niederlage bei den WTA-Championships aber nicht mehr das Halbfinale erreichen. Selbst ein Sieg gegen die Chinesin Li Na könnte für die Kielerin zu wenig sein.
