Vor einem Jahr erreichte Angelique Kerber als krasse Außenseiterin bei den US Open das Halbfinale, diesmal gehört die Nummer sechs der Welt zu den Favoritinnen. Weil sie fest auf der Erde steht und ihren Kopf nicht irgendwo in den Wolken hat. Eigentlich...
Deshalb beschäftigt sich Angelique Kerber auch normalerweise nicht mit ungelegten Eiern. Auf Fragen nach möglichen Gegnern in der zweiten, dritten Runde eines Turniers blockt sie daher auch gerne ab, freundlich, aber doch merklich. Sie interessiert sich immer für die als nächstes anstehende Aufgabe. Bei den US Open wäre das ihre Erstrundengegnerin Anne Keothavong.
Gedanken an Venus Williams erst später
Erst wenn sie die geschlagen hat, und davon ist angesichts der positiven Bilanz von fünf Siegen aus sechs Vergleichen mit der Britin eigentlich auszugehen, wird sich Angelique Kerber gedanklich Venus Williams zuwenden, die möglicherweise dann in der zweiten Runde in Flushing Meadows warten würde. Ein Duell, das vor allem die deutschen Medien schon fast zu einem Gigantenduell erhoben haben und Kerber vor eine harte Aufgabe gestellt sehen.
Doch Venus Williams muss keine unüberbrückbare Hürde darstellen. Zum einen ist ihre Form nach diversen Verletzungen und Krankheiten lange nicht mehr wie noch zu ihren besten Zeiten, zum anderen hatte Kerber in Madrid und zuletzt bei Olympia ihr deutlich die Grenzen aufzeigen können. "Vielleicht ist das ja ein gutes Omen", hoffte Fed Cup-Teamchefin Barbara Rittner. Sogar deren deutlich stärker einzuschätzende Schwester Serena hatte sie vor einer Woche mit 6:4, 6:4 locker besiegt.
Für ein kleines Fragezeichen sorgte nur die Physis bei ihrem Schützling, der nach dem verlorenen Finale in Cincinnati eine Pause hatte einlegen müssen und das Turnier in Dallas wegen Erschöpfung absagte.
Vielleicht triumphiert Angelique Kerber ja bei den US Open
Bei den US Open, an dem Ort, an dem sie vor 12 Monaten als 92. der Weltrangliste das Halbfinale erreicht hatte, will sie sich nun aber wieder in Bestform präsentieren. "Montag, wenn die US Open beginnen, da werde ich wieder bei 100 Prozent sein", kündigte Kerber an. Das muss sie auch sein, schließlich gehört sie laut Rittner "als Nummer sechs der Welt zum erweiterten Kreis der Favoritinnen".
Und in Gedanken zurück in den guten alten Zeiten von New York, brach sie in der Bild dann kürzlich doch mit ihren Grundsätzen nur von Spiel zu Spiel zu schauen und sinnierte beim Blick in die Zukunft: "Ich weiß, dass meine Zeit kommen wird. Dass ich irgendwann ein wichtiges Finale gewinne. Vielleicht ja in New York..."
