Der Aachener Tivoli galt bis heute als eine Institution der ersten und zweiten Bundesliga. Im kommenden Jahr wird man die Alemannia jedoch vergebens in den erste drei Ligen suchen. Der Zwangsabstieg dank Zahlungsunfähigkeit ist beschlossene Sache.
Alemannia Aachen hat im jahrelangen Kampf um das finanzielle Überleben im Profi-Fußball kapituliert. Nach diversen erfolglosen Sanierungsversuchen wird der Drittligist am kommenden Freitag beim zuständigen Amtsgericht in Aachen einen Insolvenzantrag einreichen. Wie der von der Alemannia beauftragte Rechtsanwalt Michael Mönig bekanntgab, fehlen dem Verein zum jetzigen Zeitpunkt mehr als vier Millionen Euro. "Es ist ein riesiges Liquiditätsloch. Das können wir nicht mehr stemmen", sagte der Jurist.
Letzte Rettung
"Hätte die Alemannia weiter gemacht wie geplant, wäre sie am Ende der Saison auf ein zweistelliges Millionenminus gekommen", sagte Mönig. Ziel der Maßnahme sei es, den Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechtzuerhalten, den Verein über ein Insolvenzverfahren zu sanieren und dann einen Neuanfang in der Regionalliga zu starten.
Nach Meinung von Aufsichtsratschef Meino Heyen gibt es zum vorgestellten Rettungsplan angesichts zu hoher Kosten in der 3. Liga keine Alternative. Demnach habe der Verein zuletzt "eine Bugwelle vor sich hergeschoben". Alle Beteiligten hoffen auf eine nötige Zustimmung des Gerichts und der Gläubiger. "Wir haben das Ziel, den Verein über ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung zu sanieren."
Dieser Plan setzt allerdings voraus, dass der Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten werden kann und das Insolvenzverfahren nicht vor dem letzten Spieltag der laufenden Saison eröffnet wird. "Ich habe bereits erste Signale von potenziellen Geldgebern erhalten, die sowohl den Geschäftsbetrieb im vorläufigen Insolvenzverfahren für die laufende Saison als auch den Neuanfang in der Regionalliga in der Saison 2013/14 unterstützen würden", sagte Mönig.
Nach Insolvenzeröffnung stünde der Verein laut Statuten des DFB als erster Absteiger der laufenden Saison fest, könnte aber die Lizenz für die Regionalliga beantragen und nach erfolgreicher Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubiger dort einen Neuanfang starten.
Hauptauslöser für die Finanzmisere war das im Sommer 2009 eröffnete 50 Millionen Euro teure Tivoli-Stadion. Hohe Rückzahlungen machten der Alemannia zu schaffen. Eine Umschuldung vor vier Monaten hatte trotz des Abstiegs aus der 2. Bundesliga Hoffnungen auf ein glückliches Ende des finanziellen Drahtseilaktes geweckt. Durch eine Umstrukturierung der Stadionfinanzierung waren die laufenden Kosten deutlich gesunken. Externe Prüfer entdeckten jedoch weitere Finanzlöcher und informierten den Aufsichtsrat über den Ernst der Lage.
Wettbewerbsverzerrung?
Eine schwere Aufgabe für die Alemania. Nicht nur für den Verein, auch für die Spieler. Wenn man bedenkt, dass ein Abstieg bereits besiegelt ist, fragt man sich wo nimmt man die Motivation her, größtmöglichen Einsatz in den Spielen zu zeigen? Sicher für die Fans und den Verein, aber leicht wird das allemal nicht. Diese Frage werden sich wohl auch die erfahrenen Spieler wie Sascha Rösler und Albert Streit stellen. Dem nicht genug. Der Gedanke der Wettbewerbsverzerrung ist natürlich auch nicht weit. Wenn man bedenkt, dass die Alemania mit 16 Punkten schon einigen Mannschaften die Punkte geklaut hat.
Es wird spannend zu sehen sein, wie der Tabellensiebzehnte die kommenden Partien bestreiten wird. Erster Prüfstein ist die zweite Mannschaft vom VfB Stuttgart am Samstag. In der Saison 2006/07 war Aachen noch Gegner vom Bundesligisten VfB. Fortan begann der Abstieg der Alemania die 2004 noch im DFB-Pokalfinale stand und sogar im folgenden Jahr die Gruppenphase des UEFA-Cups überstand.
