Markus Babbel darf aufatmen, vorerst. Der Trainer erhielt eine Jobgarantie bis zum Spiel gegen Werder Bremen am Sonntag. Solange darf er, gemeinsam mit Manager Andreas Müller, seinen Frust an den Spielern von 1899 Hoffenheim auslassen.
Trotz der Einigkeit und der gemeinsamen Kritik an der Mannschaft dürfte klar sein, wer im Falle weiterer Misserfolge am Sonntag oder später am kürzeren Hebel sitzt. Markus Babbel weiß das natürlich. Seine Aussagen nach dem 2:4 in Nürnberg dokumentieren allerdings auch eine gewisse Verzweiflung.
Babbel distanziert sich von den Spielern
"Ich habe mich lange schützend vor die Spieler gestellt, aber irgendwann ist auch mal ein Punkt erreicht, wo ich erwarten kann, dass die einfachsten Dinge hundertprozentig umgesetzt werden", erklärte Babbel, "die Jungs müssen kapieren, dass es um unglaublich viel geht." Realität ist Tabellenplatz 16, der die TSG in die Abstiegsrelegation schicken würde.
Nur, dass die prekäre Situation weder zur wenig engagierten Hoffenheimer Leistung während der 90 Minuten noch zum Auftritt danach passte: Die wenigsten Spieler zeigten sich den Journalisten überhaupt - und die, die hervorkamen, versprühten eine solche Lockerheit, dass es schon fast verwunderte.
Zeit für Phrasen und Parolen
Mächtig sauer war neben Babbel auch Manager Andreas Müller. "Du kannst den erfolgreichsten Trainer der Welt auf die Bank setzen. Aber wenn du so einfache Tore kriegst, muss ich mich als Spieler doch auch mal hinterfragen, ob das sein kann, dass man in der Bundesliga so naiv ist", klagte Müller. "Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Spieler ist, ob sie genau wissen, auf was es jetzt ankommt."
Dilettantisch wie Liga-Neulinge hatten sich die Hoffenheimer bei den meisten der vier Gegentore durch Nürnbergs überragenden Japaner Hiroshi Kiyotake (6./86. Minute), Per Nilsson (43.) und Sebastian Polter (69.) angestellt. Was danach blieb, waren Durchhalteparolen und Phrasen en masse. Der Trainer stehe ja nicht auf dem Platz, meinte Müller salopp, also könne er auch nichts für die dritte Niederlage am Stück. Babbel leiste gute Arbeit, man müsse zusammenstehen, und ja, sogar: "Wir sitzen alle in einem Boot."
Spiel gegen Bremen abwarten...
"Ich als Spieler müsste mich doch jetzt wahnsinnig ärgern", meinte der Ex-Profi außerdem. Dabei hatte Trainer Babbel nach der Pleite gegen Leverkusen noch so etwas wie einen Neuanfang herbeireden wollen. Die Englische Woche kommt dem 40-Jährigen nun zugute, bis zum Sonntag wäre die Zeit für einen Trainerwechsel wohl zu kurz.
Das Bremen-Spiel gilt als seine letzte Chance. Was bei einer neuerlichen Pleite passiert, wird dann auch Müller zu entscheiden haben. Am Mittwochabend verzichtete er auf eindeutige Bekenntnisse zum Noch-Coach, auch am Freitag wird er das nicht tun können. Für die turnusmäßige Pressekonferenz hatte er schon Anfang der Woche abgesagt - wegen eines Arzttermins.
