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3) Wie viele Heimspiele kann sich Otto Normalhannoveraner leisten?
Vier Heimspiele bestreitet Hannover 96 gerade innerhalb von 12 Tagen: am Sonntag, dem 28. Oktober, gegen Borussia Mönchengladbach, am Mittwoch im Pokal gegen Dynamo Dresden, am Samstag gegen den FC Augsburg und am folgenden Donnerstag in der Europa League gegen Helsingborgs IF. Nicht ohne für den Fan der Roten. Was ist ihm seine "Alte Liebe", wie es in der Hymne des Clubs heißt, wert?
Immerhin wird weder für Gladbach noch Augsburg (anders als, aus unerfindlichen Gründen, für Fortuna Düsseldorf) ein Topzuschlag erhoben. Aber will man als Vollzahler einen Sitzplatz auf einer der beiden seitlichen Tribünen haben, dann kommt man in keinem der vier Spiele unter 30 Euro davon. Macht 120 Euro Eintritt pro Person für zwei Wochen Fußball, wobei kein echtes Schlagerspiel darunter ist. Dass der in der Bundesliga in der Vorsaison erreichte Zuschauerschnitt von über 40.000 Fans da nicht gehalten werden kann, ist kein Wunder.
Auch das Interesse an der Europa League lässt in der zweiten Saison offenbar deutlich nach: Waren 2011/12 bei keinem der sieben Heimspiele in diesem Wettbewerb weniger als 42.000 Fans zugegen, so steht die Bestmarke nach drei Spielen in der laufenden Spielzeit bei 34.000 gegen Levante. Unwahrscheinlich, dass Helsingborg in der kommenden Woche mehr Fans anlocken wird. Rechnet man die rund 12.000 Gästefans aus Dresden aus der Zuschauerzahl vom Mittwoch heraus, so wollten zudem das Pokalspiel nicht einmal 20.000 Anhänger im Stadion verfolgen.
Um diese Krisengeschichte zu unterfüttern, sehen wir uns einmal die Freizeitsituation im Raum Hannover genauer an. Der Hannoveraner hat im Bundesschnitt gesehen ein durchschnittliches Einkommen zur Verfügung, etwa in der Mitte zwischen einem Hamburger und einem Rostocker. Was macht er mit diesem Geld, wenn er nicht zum Fußball geht? Er könnte zum Beispiel einige Euro auf dem Oktoberfest Hannover gelassen haben, dem "zweitgrößten Oktoberfest der Welt", wie es heißt.
Oder er könnte mit seiner Familie in den Erlebnis-Zoo Hannover gegangen sein, was erklären würde, warum er bettelnd in der Fußgängerzone vor dem Kröpcke sitzt, anstatt die Roten anzufeuern: Der Eintritt kostet hier mehr als im Zoo von Zürich, und das dürfte mit ziemlicher Sicherheit das einzige sein, was in Hannover teurer ist als in Zürich. Will man etwa im Letzigrund ein Spiel des FC Zürich oder des Grasshopper-Club besuchen, dann muss man für ein den oben beschriebenen Sitzplatzkarten in Hannover vergleichbares Ticket mindestens 60 Franken berappen. Sind etwa 50 Euro. Für ein Spiel der "Raiffeisen Super League". Dann doch lieber zu 96, oder, lieber Hannoveraner?





