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Wie immer aber der Rest der Saison laufen wird - selbst Rafael und Sylvie van der Vaart werden wohl kaum eine Euphoriewelle auslösen. Denn der HSV-Anhänger hat in den letzten Jahren einen Evolutionsprozess durchlaufen, der es ihm erlaubt, seine jeweilige Unzufriedenheit immer genau dem Ist-Zustand anzupassen, wie ein Chamäleon seine Farbe. Was Nick Hornby einst über Arsenal schrieb, dass man eine Mischung aus Minderwertigkeitskomplex und permanenter Unzufriedenheit am besten als Fan der Gunners ausleben konnte, das trifft heute immer noch (und vielleicht mehr denn je) auf den HSV zu.
2) In was für einer Welt leben wir, wenn Nürnberger Fans den Mannschaftsbus blockieren?
Die Blockade durch wütende Fans gehört zum Berufsrisiko eines Bundesligabusfahrers wie die Ermordung eines Junta-Spielers beim Versuch, Geld aufs Schweizer Bankkonto zu bringen. Wer Klassikertexte wie "Wir sind Kölner und Ihr nicht!" nicht im unruhigen Schlaf wiederholt, der macht seinen Job noch nicht lange. Oder für die Bayern.
Dennoch wird sich Udo "Bomber" Rauh gewundert haben, dass er sein Gefährt am vergangenen Wochenende nicht aus dem Parkplatz der Gelsenkirchener Arena steuern durfte, sondern von 100 bis 200 Club-Fans daran gehindert wurde. Wenn das Wolfsburger Anhänger nach der Heimniederlage gegen Freiburg getan hätten, oder Hoffenheimer Fans nach dem 0:4-Pokalaus in Berlin - ok. Aber nach einem knappen 0:1 auf Schalke, bei dem der Club nicht einmal schlecht gespielt hatte? Was ist da los?
Die Fans hätten die Ablösung von Dieter Hecking gefordert, berichtet Nordbayern.de. Wir wissen nicht, was Tucher Pils mit dem Langzeitgedächtnis macht, aber ein Blick auf die Amtszeit von Hecking verrät zwei Dinge:
I. In jeder seiner Saisons in Nürnberg verlor der FCN irgendwann vier Spiele am Stück: zwischen dem 30. und 33. Spieltag 2009/10, zwischen dem 12. und 15. Spieltag 2010/11, zwischen dem 25. und 28. Spieltag 2011/12 und jetzt eben zwischen dem vierten und siebten Spieltag.
II. Wenn Hecking auch in der Rückrunde noch Clubtrainer sein sollte, hätte er schon den Rekord als am längsten amtierender Bundesligatrainer des FCN seit 1963 inne.
Mit anderen Worten: Im Großen und Ganzen macht Hecking einen ziemlich guten Job in Mittelfranken, vor allem, wenn man sich eine kleine Auswahl der Abgänge ansieht, die den Club seit Heckings Amtsübernahme verlassen haben: Peer Kluge, Dennis Diekmeier, Andreas Ottl, Eric-Maxim Choupo-Moting, Marcel Risse, Ilkay Gündogan, Andreas Wolf, Mehmet Ekici, Philipp Wollscheid, Jens Hegeler, Daniel Didavi, Julian Schieber, Christian Eigler, Albert Bunjaku.
Wenn man glaubt, ein anderer, für Nürnberg bezahlbarer Trainer werde langfristig mehr aus dem Team herausholen, dann ist man entweder optimistischer als der HSV-Fan pessimistisch ist, oder man lebt als Fan ohnehin nur für den Kick, für den Augenblick.





